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zur Arbeit "Hauch" von Karen Irmer

Durch dunkle Bäume hindurch blicken wir auf eine kleine Lichtung inmitten eines Waldes. Nur schemenhaft sind im Hintergrund knorrige Bäume zu erkennen; dichter Nebel liegt über der Landschaft. Eine märchenhaft-mystische Aura bestimmt die Szenerie.

Was zunächst wie ein statisches Bild erscheint, entpuppt sich bei längerem Hinsehen als Videoprojektion. Sanft bewegen sich die Blätter der Bäume, der Wind wird zeitweise stärker und lässt dann wieder nach. In Erwartung eines Geschehens fokussieren wir die freie Stelle zwischen den Bäumen, die sich uns darbietet wie die Bühne für ein bevorstehendes Ereignis. Das Auge sucht nach Verstecktem, nach Anhaltspunkten für eine mögliche Handlung und versucht den Nebel zu durchdringen. Sekunden, Minuten vergehen, ohne dass jemand die Bühne betritt, und schließlich verstärkt sich der Verdacht, dass hier nichts passieren wird. Der einzige Akteur bleibt der Nebel, der sich kaum wahrnehmbar lichtet, um sich dann wieder zu verdichten. Er gibt die Sicht auf die Bäume frei und versperrt sie kurz darauf doch wieder.

Mit der aufgehobenen Erwartungshaltung eröffnet Karen Irmers Arbeit »Hauch« eine neue Ebene: Sie wird vom potentiellen Handlungsträger zur Kontemplationsfläche. Die atmosphärische Situation des geheimnisvollen Waldes präsentiert sich als eigentlicher Gegenstand der Arbeit. Spätestens jetzt offenbart das Video seinen poetischen, meditativen Charakter. Die konzentrierte Beobachtung weicht einer zweckfreien Betrachtung, die eine kontemplative Versenkung ermöglicht.

Das ästhetische Spiel mit der Wahrnehmung ist ein im Werk Karen Irmers charakteristisches und stets wiederkehrendes Moment. Was ist und was könnte sein? Ihre Arbeiten stellen Wahrnehmungsmuster infrage und lösen Irritationen aus. Sein oder Schein? – eine eindeutige Antwort gibt es nicht.

Simone Kimmel, M. A. 


 

(c)Karen Irmer